Automatisierte Fahrzeuge, intelligente Abfallbehälter, Softwares zur Tourenoptimierung und E-Rechnungen: Die Abfallwirtschaft erlebt das Fortschreiten der digitalen Revolution. Die Industrie 4.0 ist in der Entsorgungswirtschaft angekommen: Geprägt von neuen Technologien und Errungenschaften vernetzt sie zunehmend Menschen, Maschinen, Werkzeuge und Transportmittel und lässt diese miteinander kommunizieren. Die Abfallwirtschaft 4.0 funktioniert automatisiert und individualisiert. Bordrechner, Kameras, Assistenz- und Identsysteme sowie Monitoring- und Rückfahrsysteme gehören zum Standardrepertoire eines modernen Entsorgungsunternehmens. Gechippte Mülltonnen, Sortierroboter, mobile Anwendungen und Softwarelösungen zur Tourenoptimierung erleichtern den Arbeitsalltag und machen Prozesse schneller, transparenter und effizienter. Ressourcenschonung sowie Zeit-und Kostenersparnis sind das Gebot der Stunde.

Logistik 4.0: Automatisierte Fahrzeuge und steigende Elektromobilität 

Ein Blick in die Logistik zeigt, dass selbstfahrende LKW, Liefer-Drohnen und Abrufdienste schon lange keine Zukunftsmusik mehr sind. Sie entsprechen vielmehr den zeitgemäßen Klängen einer digitalisierten Welt. Bereits im Sommer 2018 fuhren mit Hilfe von Fahrassistenzsystemen und digitaler Vernetzung teilautomatisierte Lkw-Flotten auf der A9 zwischen München und Nürnberg. Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte des Straßengüterverkehrs, der Menschen, Maschinen und Material vereinigt. Die Entwicklung wirkt dem anhaltenden Fahrermangel sowie dem demografischen Wandel entgegen und schafft neue, mögliche Lösungen.

Neben der Automatisierung der Fahrzeuge ist auch die Elektromobilität ein möglicher Trend in der Entsorgung 4.0. Saubere Luft und weniger Lärm werden immer wichtiger und befürworten den Einsatz von elektrischen Kehrmaschinen, Hybrid-Müllwagen und E-Bussen. Die E-Mobilität hat sich derzeit noch nicht vollkommen durchgesetzt, folgt aber einem stetigen Aufwärtstrend. In Hamburg beispielsweise wird demnächst der erste E-Müllwagen von Volvo geliefert.

Bedarfsgerechte Tourenplanung mittels Füllstandsmessung und Tourenoptimierungssoftware

Ebenso wie die Optimierung der Fahrzeuge, wird auch die Optimierung der Fahrrouten zukünftig an Bedeutung gewinnen. Was für die Logistik gilt, gilt auch für die Entsorgung: Die steigende Vernetzung, beispielsweise durch Abfall-Apps und intelligente Mülltonnen, wird massiv vorangetrieben. In der Tourenplanung setzen Entsorgungsunternehmen zunehmend auf Softwares zur Tourenoptimierung und digitales Kartenmaterial und profitieren so von der Anpassung an moderne, technische Standards. Die bedarfsgerechte Tourenplanung führt zu effizienteren Prozesse und damit auch zu einer erhöhten Planungssicherheit. Dies stärkt die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmers und verschafft neue Wachstumschancen.

Die bedarfsgerechte Tourenplanung funktioniert anhand einer inkludierten Füllstandmessung – die Tonne wird nur dann entsorgt, wenn sie tatsächlich voll ist. Dies beugt der ineffizienten Ressourcennutzung vor, bei der die Tonnen nur maximal bis zu 75% gefüllt sind. Eine typische, zyklische Tour besteht normalerweise aus bis zu 1.000 Gefäßen (je nach Volumen), die innerhalb einer 8-Stunden-Schicht entsorgt werden müssen. Dennoch kann oftmals nicht die gesamte Zeit für die Entsorgung genutzt werden, denn 40% der Arbeitszeit sind reine Lade-, Kipp- oder Objektfahrzeiten. Die Vor- und Nachbereitungszeit sowie die Deponiezeit (Fahrt zur Anlage) kommen zusätzlich hinzu. Die bedarfsgerechte Entsorgung mittels sensorischer Füllstandsmessung bewirkt hier Einsparpotenziale und Ressourcenschonung.

Ein Sensor misst den Füllstand der Tonne und meldet die erreichte Füllmenge dem Disponenten. Der Disponent kann nun die automatische Tourenplanung anhand der Füllstände in der Softwares starten und die fertigen Routen dem Fahrer übergeben. Durch die intelligente Berechnung einer Prognose kann der Disponent nicht nur sehen, ob die Tonne voll ist – sondern auch wann sie voll sein wird. Somit kann eine optimale Planung tabellarisch und grafisch erfolgen.

E-Invoicing mit X-Rechnung oder ZUGFeRD 2.0

Das Thema E-Invoicing oder elektronische Rechnungslegung kommt in Schwung: Am 27. November 2018 ist das deutsche E-Rechnungsgesetz in Kraft getreten. Das Gesetz gilt vorerst für Bundesbehörden, die in der Lage sein müssen, E-Rechnungen, die dem europäischen Standard genügen, zu empfangen und versenden. Bereits ab dem 27. November 2019 gilt diese Regelung auch für die Länder und Kommunen sowie ab 27. November 2020 für auch Unternehmen, die Aufträge von Behörden wahrnehmen. Damit entfallen Papierrechnungen, Rechnungen per Fax oder als PDF ohne strukturierte Zusatzinformationen.

Um den EU-Anforderungen zu entsprechen, können zwei XML-basierte Rechnungsvarianten gewählt werden: Die X-Rechnung oder die Verwendung des ZUGFeRD 2.0-Formates (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland). Beide Formate ermöglichen eine standardisierte elektronische Rechnungslegung. Zwar wird die X-Rechnung derzeit als nationaler Standard der öffentlichen Verwaltung in Deutschland gehandelt, allerdings gibt die Richtlinie 2014/55/EU keine Auskunft darüber, welches Format zur elektronischen Rechnungslegung genutzt werden soll. Dies bedeutet, dass Formate, die den Anforderungen der europäischen Norm entsprechen, für die elektronische Rechnungslegung genutzt werden können. Das ZUGFeRD 2.0-Format entspricht der europäischen Norm EN16931 zur elektronischen Rechnungsstellung und kann somit für die Rechnungsstellung an Behörden, ob national oder international, verwendet werden.

ZUGFeRD fußt auf PDF/A-3 – einem Dateiformat, das die Einbettung beliebiger Dateitypen erlaubt. Damit können sowohl maschinenlesbare Daten im XML-Format hinterlegt werden, als auch die Rechnung im PDF-Format ausgegeben werden, das langfristig als digitales Dokument archiviert werden kann. ZUGFeRD bietet damit die Möglichkeit, gleichzeitig strukturierte Rechnungsdaten als XML ebenso wie PDF-Rechnungen per E-Mail zu versenden.

Insgesamt bedeutet die elektronische Rechnungslegung für Entsorgungsunternehmen eine Zeit- und Kostenersparnis durch die automatisierte Weiterverarbeitung von Rechnungen. Prozessoptimierung und Ressourcenschonung sind auch finanzieller Hinsicht Vorteile einer digitalisierten Arbeitswelt. Digitale Dokumente werden die Zukunft der Abfallwirtschaft bestimmen. Die Digitalisierung in der Entsorgung schreitet voran.

Quellen: haufe.de