50 deutsche Städte haben laut dem Bitkom-Verband (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V.) bereits Digitalprojekte in Sachen Smart City gestartet. Über die Hälfte dieser Städte entwickelt derzeit eine digitale Agenda, auf der die Themen Digitalisierung der Verwaltung, Mobilität sowie Energie und Umwelt ganz oben stehen.

Auch die Stadt Augsburg möchte nun eine Smart City werden und hat sich für das Bundes-FörderprogrammModellkommunen Smart Cities“ beworben. Zu den in Augsburg geplanten Maßnahmen gehören u.a. der Aufbau eines digitalen Verkehrs- und Parkleitsystems sowie die Nutzung von Echtzeitdaten mittels einer digitalen Infrastruktur. An die 50 Kommunen sollen mit diesem Programm innerhalb der nächsten Jahre mit einem Gesamtbudget von 750 Millionen Euro gefördert werden. Anfang Juli wird bekannt gegeben, welche Kommune an dem Projekt teilnehmen darf.

Die Pioniere in Sachen Smart City sind…

In allen Bundesländern gibt es bislang Smart-City-Initiativen. Die Pioniere sind hierbei vor allem die Kommunen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. In dem interaktiven Smart-City-Atlas von Bitkom, dem Fraunhofer IESE sowie den beteiligten Partnern finden sich ausführliche Porträts derjenigen Städte, die derzeit bereits Smart-City-Initiativen gestartet haben. Neben Großstädten wie Hamburg, München oder Leipzig sind auch kleinere und mittlere Städte wie Bad Hersfeld, Coburg oder Darmstadt unter den Vorreitern der Digitalisierung.

Ausgelöst wurde der Smart-City-Boom durch regionale Förderprogramme und Wettbewerbe. So hat die Stadt Darmstadt bereits im Jahr 2017 den Wettbewerb „Digitale Stadt“ des Bitkom-Verbandes gewonnen. Die Stadt erweckte mit einem intelligenten Ampelsystem und einer Datenplattform zur Visualisierung und Vernetzung großes Aufsehen sowie eine breite, öffentliche Zustimmung. Auch im Bereich IT-Sicherheit und digitale Verwaltung ist die Stadt vorbildhaft.

Digitalkompetenz, Zusammenhalt und Nachhaltigkeit sind die Maxime in Augsburg

In der Smart-City-Charta hat die Bundesregierung mehrere Ziele festgelegt, welche die Smart Cities verfolgen sollen. Darunter zählen Digitalkompetenz, die Nutzung neuer Technologien sowie Zusammenhalt und Nachhaltigkeit. Die Kommunen sollen die Interessen ihrer Bürger und deren Privatsphäre erhalten sowie handlungsfähig bleiben.

Die Digitalisierung ist ein Gemeinschaftsprojekt. Vor diesem Hintergrund sollen alle Bürger in den Prozess der digitalen Transformation mit einbezogen werden. Das bedeutet, dass die Grenzen, die der Digitalisierung entgegenstehen, gemeinsam überwunden werden sollen. Die rasante Entwicklung neuer Technologien soll nicht dazu führen, dass sich Bürger ausgeschlossen fühlen. Der Augsburger Oberbürgermeister, Dr. Kurt Gribl, erlärte dazu: „Oberstes Ziel ist es (…), dass wir auch zukünftig alle Bereiche der Stadtgesellschaft mit ihren Möglichkeiten in den Blick nehmen und niemanden zurücklassen.“

Von der Digitalstrategie zur Umsetzung

Die Stadt Augsburg bewirbt sich im Rahmen des Projektes „Modellkommunen Smart Cities“ mit einem Gesamtvolumen von 17,5 Millionen Euro. Dafür soll die Stadt innerhalb der nächsten sieben Jahre zur Smart City werden.

Zu den geplanten Maßnahmen zählen die Modernisierung der öffentlichen Kommunikationsinfrastruktur, die Optimierung des Stadtbildes mittels Grünflächenpflege sowie den Aufbau von digitalen Kompetenzen in Bildungseinrichtungen und Hochschulen.

Zukünftig sollen Echtzeitdaten durch die intelligente Kommunikationsinfrastruktur smart genutzt und ausgewertet werden. Dies betrifft beispielsweise Umwelt- und Verkehrsdaten, welche eine passgenaue Planung des städtischen Lebens ermöglichen, sowie die digitale und datenschutzkonforme Zählerablesung in Echtzeit.

Im Rahmen der Optimierung des Stadtbildes durch die Grünflächenpflege sollen ferner Klimamodelle etabliert werden und zudem ein dynamisches, digitales Verkehrs- und Parkleitsystems aufgebaut werden. Die Stadt soll durch die Umsetzung der Digitalstrategie intelligenter, grüner und vernetzter werden.

Die Stadtverwaltung soll zukünftig um eine zentrale Geschäftsstelle für Smart City und Digitalisierung erweitert werden, damit die Umsetzung der Digitalstrategie zentral gesteuert werden kann.

Insgesamt scheint die Stadt Augsburg bislang einer wohl überlegte Digitalstrategie zu folgen. Durch gründliche Vorüberlegungen können die Kommunen den Hemmnissen im Umgang mit der Digitalisierung begegnen und diese überwinden.

Handlungsempfehlungen zur Digitalisierung in Kommunen

Zu den größten Herausforderungen im Rahmen der Digitalisierung von Kommunen zählen nach Angaben der Smart-City-Städte der Aufbau digitaler Kompetenzen sowie die Qualifizierung der Verwaltungsmitarbeiter und die aufkommenden Fragen zum Datenschutz und der IT-Sicherheit. Vor dem Hintergrund der Entstehung des Digitalatlas wurden dazu Experten befragt. Diese gaben im Hinblick auf die Digitalisierung der Kommunen folgende Handlungsempfehlungen ab:

1. Digitalisierung ist Chefsache und sollte von der höchsten Führungsebene unterstützt werden.
2. Die Auswahl einer geeigneten (nicht zu großen) und individuellen Digitalstrategie ist entscheidend.
3. Die Schaffung einer zentralen Koordinations-Institution für das Smart-City-Projekt erleichtert die Steuerung und Koordination des Projektes.
4. Die Einbeziehung aller beteiligten Mitarbeiter und Bürger ist essentiell.
5. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Kommunen zeigt Optimierungspotenziale auf.
6. Die Umsetzung kleiner und schneller Einzelmaßnahmen  sollte der Umsetzung größerer Projekte vorgestellt werden.

Quellen: trendyone.de und bitkom.org