Deutschlands größtes Entsorgungsunternehmen Remondis hat den Grünen Punkt gekauft. Der Kaufvertrag zwischen dem Entsorgungskonzern aus Lünen und dem Unternehmen Duales System Deutschland (DSD) wurde in der letzten Woche unterzeichnet. Die hundertprozentige Übernahme des Grünen Punktes kann nunmehr nur noch durch die Kartellbehörde gekippt werden.  Der VKU (Verband kommunaler Unternehmen) sieht die Entwicklung kritisch.

Der Markt der Dualen Systeme befindet sich insgesamt im Wandel. Diese Entwicklung wird auch untermauert durch die Gründung eines eigenen Dualen Systems durch den Mutterkonzern von Lidl. Damit steigt Lidl als erstes Handelsunternehmen überhaupt in die Entsorgungsbranche ein und offenbart sich als neuer, unerwarteter Wettbewerber auf dem Markt.

Übernahme des Grünen Punktes durch Remondis könnte Wettbewerb einschränken

Auf 140 bis 150 Millionen Euro wird der Kaufpreis des Grünen Punktes geschätzt. Das Unternehmen Remondis erhofft sich mit dem Erwerb den Wiedereinstieg in den Markt für Duale Systeme nach der Krise des eigenen Dualen Systems EKO-PUNKT im Jahr 2014. Vor dem Hintergrund des neuen Verpackungsgesetzes soll eine Stärkung des Verpackungsrecyclings angestrebt werden. Marke und Name des Grünen Punktes sollen erhalten bleiben. Auch beim Firmensitz sowie den Beschäftigten kündigen sich keine Änderungen an.

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) verfolgte die Übernahme dennoch äußerst skeptisch.  Patrick Hasenkamp, der Vizepräsident des VKU sagte dazu: „Mit der Fusion von Remondis und DSD könnte viel Porzellan zu Bruch gehen. Die Konzentration auf dem Entsorgungsmarkt sehen wir schon seit einiger Zeit kritisch. In den vergangenen Jahren hat Remondis viele kleine und mittelständische Entsorger aufgekauft. Der Wettbewerb ist in einigen Regionen zum Erliegen gekommen. Die Folge: eine Marktkonzentration, die sowohl die Branche als auch mittelbar Bürgerinnen und Bürger belastet. Denn, diese Faustregel liegt nahe: Wenn es nur einen Bewerber auf eine Ausschreibung gibt, kann dieser buchstäblich die Bedingungen diktieren.“

Kritik gab es auch von Seiten des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse). Eric Rehbock, der Hauptgeschäftsführer des bvse äußerte dazu, die Kartellbehörden sollten sich einer solche „Hochzeit der Giganten“ in den Weg stellen.  Die Kritiker der Übernahme, zu denen Angehörige von kommunalen und kleineren privaten Abfallbetrieben gehören, befürchten sowohl steigende Preise als auch einen Rückgang des Wettbewerbs auf dem Entsorgungsmarkt.

Bereits im Jahre 2001 schritt die EU-Kommission bei dem Unternehmen Duales System Deutschland (DSD) ein, um diesem das Monopol auf dem Markt zu entziehen. Von seiner Gründung 1991 bis 2001 blieb die Selbsthilfeorganisation der Privatwirtschaft ohne Wettbewerber. Erst danach gründeten sich acht weitere Unternehmen des dualen Systems in Deutschland, die für die Entsorgung und Verwertung von Verkaufsverpackungen verantwortlich sind. Der Name Duales System bezeichnete ursprünglich das Bestehen von einem privatwirtschaftlich organisierten System, das neben dem kommunalwirtschaftlichen besteht und eine wichtige Schnittstelle für die komplette Entsorgungswirtschaft bildet.

Der Markt der Dualen Systeme befindet sich im Wandel

Das DSD ist das größte der insgesamt neun Dualen Systeme in Deutschland und regelt die Abholung von rund einem Drittel des anfallenden Verpackungsabfalles von Industrie und Handel, der in den Gelben Tonnen und Gelben Säcken landet. Dabei sammelt das Unternehmen den Abfall nicht selbst ein, sondern vergibt Aufträge an Entsorgungsunternehmen und Sortieranlagen. Sollte das Unternehmen zukünftig die Aufträge an das Entsorgungsunternehmen Remondis vergeben, bliebe der Auftrag im eigenen Haus. „Wenn sich nun Remondis und DSD zusammenschlössen, könnten sich die beiden Unternehmen gegenseitig mit maßgeschneiderten Angeboten versorgen und damit auch den Preis für die Verpackungsentsorgung beeinflussen, den die Verbraucher zahlen. Dieser Entwicklung muss unbedingt entgegengewirkt werden“, sagte Hasenkamp.

Sprecher von Remondis und dem DSD hingegen äußerten, die dominante Marktposition des DSD habe sich „deutlich relativiert„. Dies gelte vor allem auch im Hinblick auf die Wettbewerber der acht anderen Dualen Systeme. Der Markt sei derzeit im Wandel. So habe beispielweise die Schwarz-Gruppe, zu der u.a. Lidl und Kaufland gehören, im letzten Monat das fünftgrößte deutsche Recyclingunternehmen Tönsmeier übernommen. Der Konzern plane zudem über das Tochterunternehmen Greencycle den Aufbau eines eigenen dualen Systems.

Discounter Lidl gründet eigenes Duales System

Der Mutterkonzern der Discounterkette Lidl, die Schwarz-Gruppe, will zukünftig in der Müllentsorgung eine entscheidende Rolle einnehmen. Als erstes Handelsunternehmen hat das Unternehmen ein eigenes duales System mit dem Namen „PreZero Dual GmbH“ gegründet. Der Konzern beabsichtigt damit zukünftig, die eigenständige Abwicklung der eigenen Abfallkette von der Organisation der Abholung bis hin zur Sortierung und Verwertung. Schätzungsweise ein Zehntel des Verpackungsmülls im deutschen Handel stammt von dem Discounter Lidl. Dafür bezahlt der Konzern derzeit nach Branchenschätzung zwischen 70 und 80 Millionen Euro Entsorgungskosten pro Jahr. Anlass für die Entscheidung von Lidl ist eine Regeländerung, die im nächsten Jahr in Kraft tritt und derzeitige Probleme in der Müllentsorgung entgegenwirken soll: Einer objektiven Instanz – auch als „Zentrale Stelle“ bezeichnet – soll ein umfassender Einblick in Daten zur Müllmenge von Händlern, Industrie und der dualen Systemen gewährt werden. Dies soll verhindern, das sogenannte „schwarze Schafe“ die Kosten auf die Wettbewerber abwälzen könnten.

Für die Müllentsorgungsbranche könnte mit dem Auftauchen eines neuen, unerwarteten Wettbewerbers im Dualen System ein großer Druck entstehen. Die „PreZero Dual GmbH“ darf jedoch erst im Jahr 2020 die Arbeit voll aufnehmen, da zuvor noch Behördengänge und andere Zulassungsabsprachen notwendig sind.

Quellen: cio.de, manager-magazin.de und n-tv.de

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