Es bestehen erhebliche Engpässe an Verfüll- und Deponiekapazitäten. Der bvse – Fachbereich Mineralik – Recycling und Verwertung (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung) berichtete im August 2019, dass diese erheblichen Engpässe inzwischen bundesweit zu beobachten sind. So ist seit vergangenem Jahr im Bauschutt- und Bodenbereich ein sehr deutlicher Mengenanstieg zu verzeichnen. Dies sei vor allem auf die großen Investitionen in die deutsche Infrastruktur zurückzuführen, die immer auch mit entsprechenden Rückbau- und Erdbaumaßnahmen verbunden seien. Die sehr gute Baukonjunktur auf der einen Seite birgt auf der anderen Seite eine verschärfte Entsorgungsproblematik. Diese führe unter anderem dazu, dass teilweise weite Transportwege in Kauf genommen werden müssten, um die anfallenden Bau- und Abbruchabfälle entsorgen zu können.

Keine Besserung zu erwarten

Den Recyclingunternehmen würden zwar immer größere Bauschuttmengen angeboten, die Kapazitäten seien aber ausgelastet. Man kann damit rechenen, dass es sich weiter verschärfen wird. Bauschuttmengen werden weiter zunehmen, da beispielsweise die zunehmende Verknappung bebaubarer Grundstücke zu einem gesteigerten Umbau vorhandener Kapazitäten. Dadurch erhöht sich der der Anteil an mineralischen Bau- und Abbruchabfällen enorm.

 

Zu geringe Nachfrage nach Recyclingbaustoffen

Der Verband ist sich sicher, dass dies ohne Gegensteuerung zu signifikant steigenden Baukosten führen werde. Denn die Inputmengen bei den Recyclinganlagen würden zwar steigen, die Nachfrage nach Recyclingbaustoffen hingegen auf niedrigem Niveau stagnieren. Teilweise würden die Recyclingunternehmen sogar von einer zurückgehenden Nachfrage berichten.

 

Wir können diese Probleme gelöst werden?

Nur eine deutlich erhöhte Nachfrage an Recyclingbaustoffen kann eine Lösung herbeiführen. Erst mit einer erhöhten Nachfrage werden die Unternehmen auch die Recyclingkapazitäten erhöhen. Fehlende Lagerkapazitäten und betriebswirtschaftliche Aspekte negieren die Produktion auf Halde. Der Einsatz von qualitätsgesicherten Recyclingbaustoffen ist ein wichtiger Schritt in Richtung Zukunft. Nachhaltigkeitsaspekten und Klimaschutz können somit besser Rechnung getragen werden. Der bvse (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung) hofft auf eine zeitnahe Schaffung geeigneter rechtlicher Rahmenbedingungen für den Einsatz von Ersatzbaustoffen (Mantelverordnung). Unabhängig davon baut der Verband gemeinsam mit dem Deutschen Abbruchverband ein bundesweit agierendes Qualitätssicherungssystem auf. Die Qualitätssicherung Sekundärbaustoffe (Quba) soll im Herbst die ersten Zertifikate vergeben.

 

Forschung für mehr Recycling in der deutschen Industrie

Forschungsinstitute der Zuse-Gemeinschaft wollen das Recycling von Metallen und Baustoffen voranbringen. Während für Verpackungen gesetzliche Vorgaben zur Steigerung des Recyclinganteils gelten, lebe das Interesse an mehr Recycling in anderen Branchen von wirtschaftlichen Anreizen, heißt es in einer Pressemeldung der Gemeinschaft. Das gelte beispielsweise für den Rohstoff Bauxit als Erz, der eine wichtige Basis für feuerfeste Werkstoffe ist. Die auch als Feuerbetone bekannten Produkte werden in Stahlwerken, Gießereien oder Kraftwerken mit ihren sehr hohen Temperaturen benötigt. Feuerfeste Produkte seien aber sehr empfindlich bei der Auswahl der Rohstoffe und die fürs Recyceln vorgesehenen, eigentlich wertvollen Teile seien häufig leicht verunreinigt. Die Zuse-Gemeinschaft untersucht, welche Auswirkungen bestimmte Verunreinigungen auf die Eigenschaften feuerfester Produkte haben. Auch an der Optimierung von Rezepturen, welche sich zielgerichtet auf den Einsatz von Recyclat-Rohstoffen, wird gearbeitet.

Am Institut für Angewandte Bauforschung (IAB) in Weimar betreibe der kürzlich gegründete Fachbereich Baustoffrecycling unter anderem einen neuen Drehrohrofen. Konkret forsche der Fachbereich daran, zu Pulver zerkleinerte Bauabfälle, die die ganze Palette der Wandabbruchmaterialien wie z.B. Altbeton, Ziegel und Kalksandsteine umfassen, so zu modifizieren, dass aus den Gemischen leichte Gesteinskörnungen hergestellt werden können. So arbeiten die IAB-Forschenden unter anderem daran, modernen Leichtbeton aus Recyclingmaterialein herzustellen.

Aus Recyclingmaterialien neue Produkte zu erschaffen, mit vergleichbaren Materialeigenschaften wie Produkte aus natürlichen Rohstoffen, ist Ziel der Forschung.

 

bvse plädiert für Investitionsanreize

Laut Statistischen Bundesamtes stiegen 2017 die Investitionen im Bereich Abfallwirtschaft im Vergleich zu 2016 um 5,8 % auf 1,6 Milliarden Euro. Die Unternehmen mit dem wirtschaftlichen Schwerpunkt Sammlung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen sowie Rückgewinnen investierten im Jahr 2017 1,2 Milliarden Euro. Das ist ein Anteil von 14,8 % an den gesamten Umweltschutzinvestitionen der Deutschen Wirtschaft und eine Steigerung gegenüber 2016 um 4,5 %. Nach Auffassung des bvse zeigen diese Daten des Statistischen Bundesamtes, dass die Recycling- und Entsorgungsbranche nicht untätig ist, sondern ins Risiko geht und investiert.

Allerdings sei auch klar, dass die Recyclingkapazitäten angesichts der deutlich erhöhten Recyclingquoten, der Exportbeschränkungen und des steigenden Abfallaufkommens trotzdem bei weitem nicht ausreichen werden. Ein kräftiger Investitionsschub wird gebraucht. Deshalb plädiert der bvse für steuerliche, mittelstandsfreundliche Investitionsanreize. Damit könnten Recyclingkapazitäten zeitnah modernisiert und deutlich ausgebaut werden.

 

Quelle: bvse