Eine aktuelle Studie von Resourcify hat gezeigt, dass sich die kommunalen und gewerblichen Entsorgungsunternehmen der Signifikanz der Digitalisierung bewusst sind. Diese wird jedoch bislang überwiegend nicht als gesamtheitliches Konzept verstanden, das in alle Geschäftsprozesse eingreift, sondern als Etablierung einiger, neuer Technologien. Weniger Beachtung findet dabei oft der Bereich des digitalisierten Kundenservice.

Zudem hängt der Grad der Digitalisierung maßgeblich von der Unternehmensgröße ab. Große Konzerne setzen mittlerweile vor allem auf Lösungen zur sensorischen Füllstandsmessung und Künstliche Intelligenz, während kleinere Unternehmen oftmals Lösungen im Bereich der Telematik und Tourenoptimierung verwenden. Ob groß oder klein – die Digitalisierung betrifft alle Unternehmen der Entsorgungswirtschaft. Wie Sie Ihre digitalen Kompetenzen stärken können, lesen Sie hier.

Digitalisierung ist ein Wettbewerbsfaktor für Entsorgungsunternehmen

 

Innovationsfähigkeit und Digitalisierung sind wesentliche Wettbewerbsfaktoren im Bereich der Abfallwirtschaft. Große Konzerne beispielsweise optimieren bereits jetzt ihre Vorgänge durch digitale Kommunikation, Tourenoptimierung und Flottenmanagement. Mittels Abfall-Apps und sensorischer Füllstandmessung entstehen automatisierte und optimierte Abläufe und Prozesse, welche wiederum zu Ressourcenschonung und damit auch zu einer Zeit- und Kostenersparnis führen.

Für die Umsetzung der digitalen Transformation in Unternehmen sind mehrere, entscheidende Schritte notwendig. Die Hemmnisse der Digitalisierung waren in den letzten Jahren vor allem der Fachkräftemangel, der Kosten- und Zeitdruck sowie die Erstellung einer übergeordneten, strategischen Guideline bzw. Vorgabe für das Unternehmen. Dies ergab die Studie „Die Digitalisierung in der GreenTech-Branche“ vom BMUB (Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit).

Der Aufbau einer strategischen Roadmap für die Digitalisierung, die alle Mitarbeiter mit ins Boot holt, fällt vor allem kleineren Unternehmen der Entsorgungsbranche oftmals schwer. Als Hilfsmittel können Sie dabei auf die folgenden 5 Teilschritte zurückgreifen.

1. Schritt: Digitales Bewusstsein im gesamten Unternehmen schaffen

 

In vielen Unternehmen wird die Digitalisierung von oben nach unten durchgeführt. Grundsätzlich kann und sollte die Geschäftsführung die Zielvorgaben für die Digitalisierung vorgeben und leben – denn sie gibt neue Impulse und verkörpert vorbildhaft die Werte des digitalen Wandels. Zudem kann sie Verantwortliche benennen, die sich mit der Digitalisierung im Unternehmen beschäftigen.

Allerdings darf die Geschäftsführung an dieser Stelle nicht vergessen, dass der Erfolg der Umsetzung digitaler Maßnahmen auch von der Bereitschaft der Mitarbeiter abhängt. Daher sollten diese rechtzeitig mit ins Boot geholt werden. Bei einigen Arbeitnehmern entsteht möglicherweise der Eindruck, dass durch die kommende Automatisierung etliche Arbeitsplätze gefährdet sind. Es gilt daher, das Bewusstsein zu schärfen, dass dies in Ihrem Unternehmen nicht der Fall ist. Denn dann entstehen der Wille und die Bereitschaft dazu, neue Prozesse und Methoden einzusetzen.

Nachdem eine Grundakzeptanz hergestellt worden ist, sollte die gesamte Belegschaft in den Vorgang der Digitalisierung mit eingebunden werden. Viele Unternehmen etablieren im ersten Schritt Maßnahmen zur digitalen Kommunikation – dazu können Intranetseiten gehören, die offline abrufbar sind, oder eigene sozialen Netzwerke, sowie interne Newsletter Tools oder Ähnliches. Diese Kanäle verbessern den internen Informationsfluss und sorgen für Transparenz und verbesserte Prozesse und Abläufe. Zudem ermöglichen sie internes Feedback, Vorschläge oder Beschwerden von Seiten der Mitarbeiter, was dazu führt, dass alle Mitarbeiter sich beteiligt fühlen und das Unternehmen an der verbesserten Kommunikation wachsen und reifen kann. Parallel dazu fördern die Unternehmen damit die Bereitschaft für die Digitalisierung. Diese kann in Firmenseminaren, der Vorstellung von Best Practise-Beispielen oder in firmeneigenen Events zur Mitarbeiterbindung weiter vertieft werden. Mit diesen ersten Maßnahmen lassen sich eventuelle Unsicherheiten gegenüber neuen Technologien überwinden und die personellen Qualifikationen steigern.

2. Schritt: Strategische Grundüberlegungen anstellen 

 

Zu den strategischen Grundüberlegungen für Entsorgungsunternehmen gehören Fragen wie: Wie lässt sich die bedarfsgerechte Entsorgung mit dem Smart Home kombinieren? Wie können Einsatzpläne oder Tourenpläne mittels digitaler Techniken optimiert werden? Welche Apps können eingesetzt werden, um die Kundenvorgänge zu erleichtern? Welche Mittel werden verwendet, um Bezahlprozesse oder interne Verwaltungsabläufe digital und papierlos zu gestalten? Wie können Aufträge mobil verarbeitet werden? Kann die Tourenoptimierungssoftware aus dem Erfahrungsschatz des Fahrers lernen?

Diese wichtigen Fragen sollten grundlegend im Unternehmen gesammelt und ausgewertet werden, damit sie in das digitale Gesamtkonzept mit einfließen können. Der Digitalisierungsprozess sollte im Unternehmen einer klar durchdachten und geplanten Strategie folgen.

3. Schritt: Umsetzung der digitalen Transformation im Unternehmen

 

Die Digitalisierung kann als gemeinsames Projekt im Unternehmen verstanden werden. Dabei ist nicht nur die strategische Planung, sondern auch die strategische Umsetzung von großer Bedeutung. Es erweist sich als hilfreich, ein Projektteam für die Umsetzung der Digitalisierung zu gründen und einen (Haupt-)Verantwortlichen zu benennen.

Nach einer Bestandsaufnahme des Ist-Standes sollte das Projektteam die Ziele für die Umsetzung der Digitalisierung definieren. Diese sollte messbar und machbar sein. Danach kann ein Projektplan mit den ersten Maßnahmen entwickelt werden. Die Maßnahmen zur Umsetzung sollten einen Budget- und Zeitplan beinhalten. Ob papierloses Büro, der Einsatz einer Tourenoptimierungssoftware oder die Implementierung eines Webportals zur verbesserten Kommunikation mit dem Kunden: Oft ist es hilfreich, klare Einzelschritte anhand ihrer Priorität zu definieren und umzusetzen. So kann ein Prozess nach dem anderen digitalisiert werden.

Der nächste Schritt könnte dann der Einsatz neuer Technologien sein- wie die Verwendung von Augmented Reality. Dadurch kann bei der Wartung eines Fahrzeuges beispielsweise eine Reparaturanleitung angezeigt werden. Zudem können bestimmte Informationen wie Ersatzteilnummer, Rahmenbedingungen oder die vergaberechtlich geprüfte Autorisierung des Lieferanten angezeigt und der Bestellvorgang direkt und papierlos ausgelöst werden.

4. Zielverfolgung- und Messung

 

Die Umsetzung der Maßnahmen sollte anhand des Projektplanes regelmäßig gemessen und ausgewertet werden. Dadurch ergeben sich Optimierungspotenziale oder eventuelle Schwachstellen.

Insgesamt ist das Projekt „Digitalisierung“ als solches dann erfolgreich, wenn eine klare Strategie erarbeitet wurde, die individuell auf das Unternehmen angepasst ist. Ferner sollte ein Maßnahmenkatalog durch ein Projektteam etabliert werden und die Umsetzung entsprechend protokolliert und gemessen werden. Der Erfolg der Digitalisierung hängt somit nicht nur von der Geschäftsführung ab, sondern auch von der Bereitschaft der Mitarbeiter und ihrer Identifikation mit dem Projekt.

Quellen: kommunalwirtschaft.eubvse.de und eu-recycling.com